Export (ohne 17)

22Apr10

Zu den weniger nachvollziehbaren Dingen der Weltgeschichte gehört für mich die Historie des Dortmunder Bieres und seiner dazugehörigen Brauereien.

Nachdem man sich (damals, im Anschluss an den Kartoffelkrieg) die untergärige Brauweise zunutze gemacht hat, um haltbares und eben exportierbares Bier zu brauen, stieg Dortmund mit seinem Bier zur Europäischen Hauptstadt des Gerstensaftes auf. So weit, so nachvollziehbar.

Irgendwann in den 70ern dann setzte die Kehrtwende ein und die Schluckspechte der Republik haben sich ins Pils verliebt. Das ist für mich schon nicht mehr ganz so nachvollziehbar. Zwar mag ich Pils durchaus, würde ein weniger herbes Export dem jedoch meistens vorziehen. Aber ok, die 70er waren komisch: Schlaghosen, Blümchentapeten und Co. – das ist das Pils wahrlich eines der kleineren Vergehen. Jedenfalls aber wurde die Dortmunder Braukunst von dem damaligen Trend auf dem falschen Fuß erwischt. Auf‘s Export war man stolz, das Pils wollte man so recht nicht brauen und es kam dann, wie es kommen musste. Frei nach Gorbatschow: Wer zu spät kommt, den bestraft der Tresen.

So richtig glücklich ist man in den vergangenen Jahren aber auch mit dem Pils nicht mehr. Praktisch alle Brauereien melden Absatzrückgänge und einen verminderten Bierdurst in der Bevölkerung. Vor allem aber scheint sich mal wieder der Geschmack gedreht zu haben. Biermischgetränke haben Konjunktur und neben Cola oder Limonade werden inzwischen auch so schweinische Dinge wie Kaktusfeige in das Bräu gekippt, auf dass es süßer werde. Nun gut. Völlig skurril finde ich jedoch den Umstand, dass die Brauereien zwar dem Trend zum weniger herben Bier inzwischen mit „Gold“- oder „Mild“-Bieren begegnen, das Dortmunder Export jedoch nach wie vor ein Schattendasein führt. Dabei wäre die Zeit so günstig.

Abgesehen von Brinkhoff’s und Thier ist noch heute von jeder Dortmunder Biermarke auch ein Export erhältlich, leider jedoch zumeist nur noch als Flaschenbier. Schade eigentlich. Schlaghosen sind schließlich auch irgendwann wieder verschwunden.



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